Lexikon · Klinik
Wächterlymphknotenbiopsie — Indikation
Ab welcher Tumordicke die Leitlinie die Biopsie verlangt: 1,0 mm. Empfehlungsgrad A, Level of Evidence 1a.
Auch: Sentinel-Indikation · SLNB ab 1,0 mm
Die Empfehlung
Empfehlungsgrad A, Level of Evidence 1a:
Zur Stadienzuordnung soll die Wächterlymphknoten-Biopsie ab einer Tumordicke von 1,0 mm und ohne Hinweis auf lokoregionale oder Fernmetastasierung durchgeführt werden.
Der Zweck steht im ersten Wort
Stadienzuordnung. Die Biopsie ist in dieser Empfehlung ein diagnostischer Eingriff, kein therapeutischer. Sie beantwortet die Frage, in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet — und daraus folgt alles Weitere: Nachsorgeintervall, Bildgebung, Indikation zu einer Systemtherapie.
Die Grenze
1,0 mm Breslow-Tumordicke. Als Qualitätsindikator formuliert die Leitlinie den Nenner etwas anders: Patienten mit primärem kutanem Melanom ≥ pT2a ohne Hinweis auf lokoregionale oder Fernmetastasierung.
Qualitätsziel: „Möglichst häufig.”
Warum der erste Schnitt so knapp bleibt
Die diagnostische Exzision erfolgt mit ungefähr 2 mm lateralem Abstand — und zwar ausdrücklich, weil ein größerer Abstand „Lymphabflusswege zerstört und eine eventuelle Auffindung eines Wächterlymphknotens behindert”.
Die Reihenfolge ist damit festgelegt: erst knapp und vollständig entfernen, dann Tumordicke bestimmen, dann über die Wächterlymphknotenbiopsie entscheiden. Wer den ersten Schritt großzügig macht, nimmt sich den dritten.
Was danach offen bleibt
Beim Melanom folgt aus einem positiven Wächterlymphknoten nicht automatisch die Ausräumung der Lymphknotenstation — der Qualitätsindikator zur therapeutischen Lymphadenektomie wurde 2016 ausgesetzt und 2018 modifiziert.
Beim Plattenepithelkarzinom hält die AK/PEK-Leitlinie dazu ausdrücklich fest: „Zur Wertigkeit der regionären Lymphadenektomie bei positiver Sentinel-Lymphknotenbiopsie gibt es keine ausreichenden Daten.”