Lexikon · Klinik
Sicherheitsabstand beim Melanom
Nach der Diagnose richtet sich der Abstand nach der Tumordicke: 1 cm oder 2 cm. Beide mit 100 Prozent Konsens.
Auch: Radikale Exzision · Nachexzision
Die Empfehlung
Empfehlungsgrad A, Level of Evidence 1a, Konsensstärke 100 %:
Für das maligne Melanom soll unter kurativer Intention eine radikale Exzision mit den Sicherheitsabständen zum Tumorrand erfolgen, um lokale Rezidive des Tumors zu vermeiden.
Die Abstände
| Stadium | Tumordicke nach Breslow | Sicherheitsabstand |
|---|---|---|
| pT1, pT2 | ≤ 1 – 2 mm | 1 cm |
| pT3, pT4 | 2,01 – > 4,0 mm | 2 cm |
Konsensstärke 100 %.
Warum das nicht der erste Schnitt ist
Die diagnostische Exzision erfolgt mit ungefähr 2 mm lateralem Abstand, in die Tiefe bis ins Fettgewebe. Erst wenn die Tumordicke feststeht, richtet sich der endgültige Abstand danach.
Der Grund für den knappen ersten Schnitt: Ein größerer Sicherheitsabstand zerstört Lymphabflusswege und behindert das spätere Auffinden eines Wächterlymphknotens.
Mehr ist nicht besser
Die Leitlinie hält ausdrücklich fest, dass ein Sicherheitsabstand von über 3 cm nicht vorteilhaft ist. Die Vorstellung, ein größerer Rand sei sicherer, endet an dieser Grenze — der Preis ist dann nur noch Gewebe und Funktion.
Die Ausnahme, die die Leitlinie ausdrücklich vorsieht
Konsensbasierte Empfehlung, Expertenkonsens:
Die endgültige Entscheidung für abweichende Sicherheitsabstände sollte der Operateur im Einverständnis mit dem informierten Patienten treffen, auch in Abhängigkeit der speziellen anatomischen Lokalisation des Tumors.
Im Gesicht, an den Lidern, an den Fingern kann ein regelhafter Abstand nicht umsetzbar sein. Die Leitlinie erlaubt die Abweichung — verlangt dafür aber ausdrücklich die informierte Entscheidung des Betroffenen.
Bei sehr sicherer klinischer Diagnose
Bei klinisch sehr sicherer Diagnose eines malignen Melanoms kann primär eine Versorgung mit definitivem Sicherheitsabstand und ggf. weiteren notwendigen chirurgischen Therapien erfolgen.