- Beleglage:Leitlinie
- Status:Off-Label in Deutschland
Energiebasierte Verfahren
Excimer bei Alopecia areata
Gezielte UVB-Bestrahlung mit 308 Nanometern. Das einzige Laserverfahren, für das die S3-Leitlinie überhaupt eine Empfehlung ausspricht.
Auch: 308-nm-Excimer-Laser · Excimer-Licht · gezielte UVB-Phototherapie
- Wirkprinzip
- Excimer-Systeme erzeugen UV-Licht mit einer Wellenlänge von 308 Nanometern. Vermutet wird, dass die Bestrahlung eine Apoptose in T-Zellen auslöst; indem sie die Zahl der T-Zellen und die Antigenpräsentation verringert, kann sie immunvermittelte Hauterkrankungen stabilisieren.
- Körperregion
- Kopfhaut
- Sitzungen
- In den Studien ein- bis zweimal wöchentlich, Behandlungsdauer im Median zwölf Wochen (Spanne vier bis 62 Wochen).
- Hauptrisiko
- Die Rückfallneigung. Eine Studie fand nach drei Monaten eine Verbesserung um 47,5 Prozent, nach sechs Monaten nur noch 23,7 Prozent — die Autoren erklärten das mit Rückfällen.
Ungeeignet, wenn: eine belegte Alternative verfügbar ist. Im direkten Vergleich war die Excimer-Therapie der intraläsionalen Kortikosteroidinjektion unterlegen, wenn auch statistisch nicht signifikant.
Der einzige Lichtansatz mit Empfehlung
Die deutsche S3-Leitlinie unterscheidet an dieser Stelle scharf. Für Excimer gibt es eine Empfehlung:
Der Einsatz der gezielten UVB-Phototherapie (Excimer Laser oder Excimer Licht) kann bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit allen Formen der AA im Off-Label-use erwogen werden.
Für alles andere nicht:
Auf der Basis der identifizierten Evidenz kann die Leitliniengruppe keine Empfehlung für die Anwendung von hochenergetischen und Low-Level-Lasersystemen (mit Ausnahme der Excimer-Therapie) zur Behandlung der AA bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aussprechen.
Beides im starken Konsens, beides evidenzbasiert. Untersucht wurden Excimer-Laser und Excimer-Licht, der fraktionierte CO₂-Laser und die Low-Level-Lasertherapie — zu anderen Laserverfahren fand die Literatursuche für die AA gar keine passenden Studien.
Die Technik
Excimer-Laser verwenden in der Regel eine Kombination aus einem Edelgas (Argon oder Xenon) und einem Halogen (Chlor oder Fluor) und erzeugen UV-Licht mit 308 Nanometern. Daneben gibt es nicht laserbasierte Excimer-Lichtsysteme, die ebenfalls hochintensives Licht mit einem Maximum bei 308 nm abgeben.
Das ist praktisch relevant: Die Metaanalyse, auf der die Wirksamkeitsangaben beruhen, hat Laser- und Lichtdaten ohne Differenzierung zusammengefasst. Wer ein Angebot vergleicht, kann sich also nicht auf einen Unterschied zwischen beiden berufen — die Daten machen keinen.
Was die Zahlen sagen
Metaanalyse mit 129 Personen aus neun prospektiven Studien, vier davon ohne Vergleichsgruppe:
| Endpunkt | Ergebnis |
|---|---|
| Nachwachsen über 75 % | 50,2 % (95-%-KI 31,5–68,9) |
| davon bei lokalisierter AA | 56,8 % (95-%-KI 34,7–79,1) |
| gegenüber Placebo | RR 7,83 (95-%-KI 2,11–29,11) |
Der direkte Vergleich mit der Standardtherapie fällt weniger günstig aus. Eine randomisierte Studie von 2022 stellte den 308-nm-Excimer-Laser der intraläsionalen Triamcinolon-Injektion gegenüber: Für ein Nachwachsen über 50 Prozent sprachen 47 Prozent der laserbehandelten Areale an gegenüber 66 Prozent der mit Kortikosteroid behandelten (OR 0,45; p = 0,088). Die Leitlinie hält fest: unterlegen — der Unterschied allerdings statistisch nicht signifikant.
Die Rückfälle sind der wunde Punkt. In einigen Studien wurden sie gar nicht erfasst. Eine Untersuchung zum 308-nm-Excimer-Laser berichtete eine durchschnittliche Verbesserung von 47,5 Prozent nach drei Monaten und nur noch 23,7 Prozent nach sechs Monaten — von den Autoren mit Rückfällen erklärt.
Wo Laser tatsächlich etwas beitragen: in Kombination
Zwei größere Metaanalysen sprechen dieselbe Sprache — nicht der Laser allein, sondern der Laser zusätzlich zu einer wirksamen Therapie.
Aus einer Metaanalyse mit 14 Studien und 890 Personen:
| Vergleich | Nachwachsen über 50 % |
|---|---|
| Laser + Minoxidil gegen Minoxidil allein | RR 1,32 (95-%-KI 1,17–1,49) |
| Laser + intraläsionales Kortikosteroid gegen Kortikosteroid allein | RR 1,39 (95-%-KI 1,15–1,67) |
| Laser gegen Kortikosteroid-Monotherapie | RR 1,86 (95-%-KI 1,36–2,52) |
| Laser gegen keine Therapie | RR 10,33 (95-%-KI 2,07–51,36) |
Aus einer Metaanalyse mit zehn randomisierten Studien und 784 Personen, alle mit lokalisierter AA: Die Kombination aus Laser und topischem Minoxidil 5 % senkte den SALT-Score um durchschnittlich 5,88 Punkte mehr als Minoxidil allein (MD −5,88; 95-%-KI −9,79 bis −1,98). Das Wiederauftreten nach zwölf Monaten war in der Kombinationsgruppe seltener (RR 0,54; 95-%-KI 0,31–0,93).
Bemerkenswert: In der Untergruppenanalyse zeigten fraktionierter CO₂-Laser, 308-nm-Excimer, He-Ne-Laser und Schmalband-UVB eine ähnliche Wirksamkeit. Die Lichtquelle scheint also weniger zu entscheiden als die Tatsache, dass überhaupt bestrahlt wird.
Die Einschränkung, die dazugehört
Die Leitlinie nennt die Herkunft der Studien, und das gehört zur Einordnung: Die zehn randomisierten Studien der zweiten Metaanalyse wurden sämtlich in China durchgeführt; die 14 Studien der ersten stammen überwiegend aus China, daneben aus Ägypten, Belgien und der Türkei. Angaben zum Schweregrad der AA werden in der größeren Metaanalyse nicht berichtet.
Bei Kindern
Eine systematische Übersichtsarbeit fasst zehn Studien mit 329 Kindern zusammen (Durchschnittsalter 9,3 Jahre), die schwere Formen der AA hatten. Zwei dieser Studien mit insgesamt 29 Kindern untersuchten den Excimer-Laser: In einer erreichten 63,6 Prozent ein vollständiges Nachwachsen, in der zweiten 41,5 Prozent ein Nachwachsen ohne genauere Definition. In beiden lag die Nachbeobachtung bei sechs Monaten — und in beiden trat kein Wiederauftreten auf.
Wie dosiert wird
Aus dem Protokoll der randomisierten Vergleichsstudie, als Beispiel für die Steuerung über das Erythem:
- Anfangsdosis je nach Hauttyp 100 bis 200 mJ, einmal wöchentlich, insgesamt zwölf Sitzungen über drei Monate
- ohne unerwünschte Ereignisse Steigerung um 100 mJ je Sitzung
- hält das Erythem 24 bis 48 Stunden an, wird die Dosis konstant gehalten
- hält es länger als 48 Stunden an oder juckt es, wird um 100 mJ reduziert
- wird es schmerzhaft oder treten Bläschen auf, wird die Behandlung verschoben
Das ist kein Standardprotokoll, sondern das einer einzelnen Studie. Es zeigt aber das Prinzip: Die Dosis wird an der Hautreaktion titriert, nicht am Kalender.