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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer
  • Beleglage:Studienlage
  • Status:Off-Label in Deutschland

Injektionen

PRP bei Alopecia areata

Injektion von körpereigenem thrombozytenreichem Plasma in die Kopfhaut. Die S3-Leitlinie spricht weder dafür noch dagegen eine Empfehlung aus.

Auch: Platelet Rich Plasma · Thrombozytenreiches Plasma · Eigenblut-Behandlung

Wirkprinzip
Aus dem eigenen Blut werden Wachstumsfaktoren und Zytokine der Thrombozyten gewonnen und in die betroffenen Hautareale injiziert. Es wird angenommen, dass diese Faktoren die Haarfollikelzellen stimulieren und das Haarwachstum fördern.
Körperregion
Kopfhaut
Sitzungen
Meist drei bis vier Sitzungen im Abstand von zwei bis sechs Wochen oder länger — die Protokolle unterscheiden sich zwischen Anbietern erheblich.
Hauptrisiko
Nicht die Nebenwirkungen, sondern die Unsicherheit: Die kurze Nachbeobachtungsdauer der Studien erlaubt nach Einschätzung der zitierten Übersichtsarbeit keine angemessene Beurteilung der Sicherheit.

Ungeeignet, wenn: es sich um Kinder oder Jugendliche handelt — hier spricht die Leitlinie eine Negativempfehlung in der stärksten Form aus. Ebenso bei hämodynamischer Instabilität, Gerinnungserkrankungen oder Infektionen an der zu behandelnden Kopfhautstelle.

Was die Leitlinie sagt — und was nicht

Die deutsche S3-Leitlinie führt PRP als eigenes Kapitel und kommt zu zwei Aussagen, beide im starken Konsens und evidenzbasiert.

Das Statement für Erwachsene:

Aufgrund der vorliegenden Studienlage kann keine Empfehlung für oder gegen die Anwendung von PRP bei AA ausgesprochen werden.

Die Empfehlung für die jüngere Altersgruppe ist dagegen eindeutig, und sie verwendet die stärkste Negativformulierung, die das Regelwerk kennt:

Kindern und Jugendlichen soll die Anwendung von PRP zur Behandlung einer AA nicht angeboten werden.

Begründet wird das mit den multiplen Injektionen, der Schmerzhaftigkeit und der fehlenden eindeutigen Wirksamkeitslage — randomisierte Studien zur Wirksamkeit von PRP im Kindesalter wurden in der Literatursuche gar nicht erst gefunden.

Wo PRP im Vergleich steht

Der relevante Vergleich ist die intraläsionale Injektion von Triamcinolonacetonid, also die etablierte Kortikosteroidbehandlung.

  • Eine Metaanalyse aus vier randomisierten Studien (201 Teilnehmende) ergab nach zwölf Wochen eine mittlere Differenz im SALT-Score von −2,04 (95-%-KI −4,72 bis 0,65) zugunsten des Kortikosteroids. Die Überlegenheit war statistisch nicht signifikant.
  • Eine weitere randomisierte Studie, die nicht in dieser Metaanalyse enthalten war, fand ebenfalls die schwächere Wirkung für PRP: 90 Prozent Ansprechen unter Triamcinolonacetonid gegenüber 73 Prozent unter PRP (p < 0,05).

Aus einer systematischen Übersichtsarbeit mit 23 Studien und 621 Teilnehmenden ergibt sich ein differenzierteres Bild:

KonstellationBefund
leichte AAPRP dem Placebo überlegen (SALT-Score, Nachwachsen, Rückgang dystrophischer Haare)
schwere AA / Alopecia totalisPRP als Monotherapie unwirksam
AA unter 25 % oder Dauer unter 6 Monatenvergleichbar mit Triamcinolonacetonid (fünf Studien)
gegenüber topischem Minoxidil 5 %PRP überlegen bei dystrophischem Haar
gegenüber Low-Level-Lasertherapiegrößerer Effekt auf den Haardurchmesser

Die Kombination von PRP mit der Kontakt-Immuntherapie (DCP) zeigte keine Überlegenheit gegenüber DCP allein.

Das eigentliche Problem: kein Standardprotokoll

Die Leitlinie widmet diesem Punkt einen eigenen Abschnitt, und er ist für jeden relevant, der ein Angebot vergleichen will:

Das Fehlen eines Standardprotokolls für die PRP-Therapie stellt eine erhebliche Einschränkung dar und führt zu einer ausgeprägten Heterogenität bei den Zubereitungsmethoden, der Dosierung und den Verabreichungsmethoden der verschiedenen Anbieter. Diese Variabilität kann zu unvorhersehbaren Ergebnissen und Schwierigkeiten beim Vergleich der Wirksamkeit von Behandlungen führen.

Die Herstellung erfolgt über verschiedene Verfahren — Single-Spin- oder Double-Spin-Methode — unter Verwendung von Aktivatoren wie Calciumchlorid, Calciumgluconat oder Calciumcarbonat. Zwei Angebote mit demselben Namen können also unterschiedliche Behandlungen sein.

Was ebenfalls aussteht: Belege für eine langfristige Wirksamkeit und geeignete Kriterien dafür, wer sich überhaupt für die Therapie eignet.

Verträglichkeit

In den untersuchten Studien traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf. Berichtet wurden Schmerzen während und nach der Injektion, Kopfhautempfindlichkeit bis zu drei Tage nach der Behandlung, Brennen und vorübergehendes Erythem.

Das ist die eine Seite. Die andere: Dieselbe Übersichtsarbeit hält fest, dass die kurze Nachbeobachtungsdauer der Studien eine angemessene Sicherheitsbewertung gar nicht zulässt. „Keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet” ist bei kurzer Beobachtung eine schwächere Aussage, als sie klingt.

Einordnung

PRP ist keine Scharlatanerie — es hat einen plausiblen Mechanismus, eine lange Geschichte in anderen Fächern (Hämatologie in den 1970ern, Kiefer- und Gesichtschirurgie in den 1980ern, danach Sportmedizin) und in leichten Fällen Belege gegenüber Placebo.

Es ist aber auch nicht das, wofür es oft verkauft wird. Die Leitlinie formuliert die Bilanz nüchtern: PRP stelle eine potenzielle Behandlungsoption bei AA dar, insbesondere bei leichten Fällen. Wer eine schwere Alopecia areata hat, findet in derselben Leitlinie eine evidenzbasierte Empfehlung im starken Konsens — sie lautet JAK-Inhibitoren, nicht PRP.