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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer

Lexikon · Klinik

Alopecia areata

Autoimmuner Haarausfall in scharf begrenzten Herden. Nicht zu verwechseln mit dem anlagebedingten Haarausfall — Ursache, Verlauf und Therapie sind andere.

Auch: AA · kreisrunder Haarausfall · ICD-10 L63

Was es ist

Die deutsche S3-Leitlinie fasst es in einem konsensbasierten Statement zusammen:

Bei der AA handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität und erheblichen psychosozialen und somatischen Begleiterkrankungen einhergehen kann.

Das ist der entscheidende Unterschied zur androgenetischen Alopezie: Dort schrumpft der Haarfollikel hormonell gesteuert über Jahre. Hier greift das Immunsystem den Follikel an — in Schüben, oft plötzlich, und grundsätzlich reversibel, weil der Follikel nicht zerstört wird.

Betroffen sein kann jede behaarte Kopf- oder Körperstelle: Kopfhaut, Augenbrauen, Wimpern, Bart, Scham- oder Achselhaar. Dazu kommen Nagelveränderungen — typischerweise Tüpfelnägel, in schweren Fällen eine Trachyonychie. Ihre Häufigkeit schwankt zwischen 7 und 66 Prozent, im Mittel etwa 30 Prozent der Erkrankten. Sie können dem Haarausfall vorausgehen, Monate oder Jahre später auftreten und auch nach dem Nachwachsen der Haare fortbestehen.

Wie häufig, und bei wem

Für Deutschland liegen belastbare Zahlen aus Krankenkassendaten vor: Eine Auswertung einer repräsentativen 40-Prozent-Stichprobe aller Erwachsenen einer gesetzlichen Krankenkasse (n = 2,88 Millionen, 2016 bis 2020) ergab für 2020 eine Prävalenz von 210 Diagnosen je 100.000. Hochgerechnet auf die deutsche Bevölkerung waren das rund 170.000 Menschen. Neu diagnostiziert wurde die AA 2020 bei 72 je 100.000 — hochgerechnet etwa 70.000 Menschen.

Die Geschlechterverteilung ist altersabhängig, und der Befund fällt anders aus, als man erwarten würde:

AltersgruppeVerteilung
unter 40 JahreMänner etwas häufiger betroffen
ab 40 JahreFrauen häufiger (0,2 % gegenüber 0,1 %)
70 bis unter 80 JahreFrauen mehr als 6,5-mal so häufig

Für Männer heißt das: Die AA ist gerade in der Lebensphase relevant, in der man sie am wenigsten auf dem Zettel hat.

Weltweit liegt die geschätzte Lebenszeitprävalenz bei 0,10 Prozent (95-%-KI 0,03–0,39), in Westeuropa bei 0,14 Prozent — was etwa 8,3 Millionen Betroffenen entspricht.

Ein Detail zum Verlauf

Eine US-Analyse an Kindern (n = 336) fand die akuten Schübe zwischen April und August am seltensten. Der Anteil der Schübe von September bis März war bis zu dreimal so hoch — im November 11,4 Prozent, im Mai 3,5 Prozent. Ob sich das auf Erwachsene übertragen lässt, sagt die Leitlinie nicht.

Begleiterkrankungen

Die deutschen Kassendaten weisen deutlich erhöhte relative Risiken aus, jeweils bezogen auf eine Prävalenz unter drei Prozent in der Gesamtbevölkerung:

  • atopische Dermatitis: RR 2,9 (95-%-KI 2,7–3,2)
  • Pruritus: RR 2,7 (95-%-KI 2,4–3,1)
  • Lupus erythematodes: RR 2,4 (95-%-KI 1,7–3,0)
  • Urtikaria: RR 2,3 (95-%-KI 1,9–2,7)

Bezogen auf die Erkrankten selbst nennt die Leitlinie Angstzustände bei 8 Prozent, atopische Dermatitis bei 5 Prozent und Autoimmunthyreosen bei 4 Prozent.