Lexikon · Wirkstoffe
Sonnenschutzmittel
Topisches Mittel zur Reduktion der UV-Dosis auf unbedeckter Haut. In der Leitlinie der dritte Schritt des Schutzes, nicht der erste.
Auch: Sonnencreme · Sunscreen · Lichtschutzmittel
Wofür sie gedacht sind
Empfehlungsgrad A, Level of Evidence 1+ bis 2++:
Geeignete Sonnenschutzmittel sollen für Hautstellen benutzt werden, die nicht anders geschützt werden können. Die Anwendung von Sonnenschutzmitteln soll nicht dazu führen, dass der Aufenthalt in der Sonne verlängert wird.
Beide Sätze gehören zusammen. Der erste weist den Sonnenschutzmitteln ihren Platz zu: die Reststellen, die Kleidung und Schatten nicht abdecken. Der zweite verhindert, dass daraus eine Erlaubnis wird.
Die fünf Anwendungsregeln
Für Kopf, Gesicht, Hände, Arme und Beine, Konsensstärke 95 %:
- adäquaten Lichtschutzfaktor verwenden
- ausreichend dicke Schicht auftragen — 2 mg/cm²
- gleichmäßige Auftragung auf allen freien Hautflächen
- Auftragung vor der Sonnenexposition
- Wiederholung nach zwei Stunden und nach dem Baden (die Schutzzeit wird dadurch nicht verlängert)
Die Leitlinie hält ausdrücklich fest: „Durch falsche Anwendung kann sich die Wirkung der Sonnenschutzmittel stark vermindern.”
Was die Studienlage hergibt — und was nicht
Für das Melanom formuliert die Leitlinie ein evidenzbasiertes Statement mit Level of Evidence 1++ bis 2+ und 97 % Konsens: Es liegen widersprüchliche Daten dafür vor, ob das Melanomrisiko durch die Benutzung von Sonnenschutzmitteln gesenkt wird.
Das ist kein Argument gegen ihre Anwendung — dieselbe Leitlinie empfiehlt sie mit dem höchsten Grad. Es ist ein Argument gegen die Behauptung, sie allein genügten.
Was auf der Packung nicht steht
Der ausgelobte Lichtschutzfaktor wird im Labor bei 2 mg/cm² bestimmt. Diese Menge entspricht für einen erwachsenen Körper deutlich mehr Produkt, als die meisten Menschen verwenden. Wer sparsam aufträgt, bekommt nicht anteilig weniger Schutz, sondern überproportional weniger.