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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer
  • Beleglage:Begrenzte Daten
  • Status:In Deutschland zugelassen

Wirkstoff

Harnstoff

Feuchtigkeitsbindender Standardwirkstoff der Basispflege. Für die verbreitete 10-Prozent-Empfehlung beim Handekzem nennt die Leitlinie keine Belege.

Auch: Urea · Carbamid

Anwendung
Äußerlich
Verschreibung
Frei verkäuflich
Wirkprinzip
Harnstoff ist ein natürlicher Feuchthaltefaktor der Hornschicht. In niedriger Konzentration bindet er Wasser, in höherer wirkt er keratolytisch und löst die Verbindungen zwischen Hornzellen.
Dosis
In Hautpflegemitteln verbreitet 5–10 %, keratolytisch höher
Häufige Nebenwirkungen
Brennen auf entzündeter oder eingerissener Haut

Ungeeignet, wenn: die Haut offen oder stark entzündet ist — Harnstoff brennt dann erheblich und wird abgesetzt, bevor er wirken kann.

Was die Leitlinie tatsächlich sagt

Zur Basistherapie formuliert die S2k-Leitlinie Handekzem eine starke Empfehlung (↑↑, 100 % Zustimmung):

Die regelmäßige Anwendung von Basistherapeutika (Hautpflegemitteln) soll bei allen HE-Patient*innen erfolgen.

Zum Harnstoff wird sie dann ungewöhnlich offen:

[Beim hyperkeratotischen Handekzem werden] gewöhnlich Hautpflegemittel mit 10 % Harnstoff — oder andere Keratolytika — verwendet, aber es gibt keine wissenschaftlichen Belege, die eine derartige Empfehlung unterstützen.

Warum dieser Satz bemerkenswert ist

Weil er einer der verbreitetsten Empfehlungen der Dermatologie die Grundlage entzieht — und trotzdem in der Leitlinie steht. Das ist der Unterschied zwischen einer Leitlinie und einer Broschüre: Die eine benennt, was üblich ist, und daneben, was belegt ist.

Was das praktisch heißt

Nicht, dass Harnstoff nicht wirkt. Es heißt, dass die Konzentration 10 % beim hyperkeratotischen Handekzem nicht auf Studien beruht, sondern auf Erfahrung.

Für die Basispflege insgesamt sieht es anders aus. Die S1-Leitlinie Kontaktekzem hält fest, dass Hautpflegeprodukte die Haut mit Feuchtigkeit und Lipiden versorgen und dadurch Austrocknung und Barrierestörungen verhindern; verschiedene experimentelle und klinische Studien hätten gezeigt, dass sie detergenzieninduzierte Hautschäden verhindern und zu schnellerer Regeneration von Barrierestörungen sowie schnellerer Abheilung irritativer Reaktionen führen.

Der praktische Punkt für die Auswahl

Die belegte Aussage betrifft regelmäßige Basispflege, nicht einen bestimmten Wirkstoff in einer bestimmten Konzentration. Wer ein Produkt sucht, sollte deshalb auf Verträglichkeit und tägliche Anwendbarkeit achten — nicht auf die Prozentzahl auf der Tube.