- Beleglage:Leitlinie
- Status:In Deutschland zugelassen
Einstieg
Was ein Laser mit der Haut macht — und warum das Gerät zweitrangig ist
Wellenlänge, Zielstruktur, Pulsdauer: drei Begriffe erklären, warum ein Laser Haare entfernt und der nächste Äderchen verschließt. Und warum der Gerätename wenig aussagt.
Quellenlage geprüft am 24. August 2026.
„Wir arbeiten mit dem neuesten Gerät.” Das ist der Satz, der in Beratungsgesprächen am häufigsten fällt und am wenigsten aussagt. Was ein Laser kann, hängt an drei physikalischen Größen — und die stehen im Zweifel im Datenblatt, nicht im Markennamen.
Das Prinzip in einem Satz
Ein Laser sendet Licht einer einzigen Wellenlänge aus. Trifft dieses Licht auf eine Struktur, die es aufnimmt, wird es dort in Wärme umgesetzt. Alles andere bleibt unbeschädigt. Diese Zielstruktur heißt Chromophor; in der Haut sind es im Wesentlichen drei: Melanin (Pigment und Haare), Hämoglobin (Blutgefäße) und Wasser (das Gewebe selbst).
Das Fachwort für das Prinzip ist selektive Photothermolyse — „ausgewählte” Zerstörung durch Wärme.
Größe eins: die Wellenlänge
Die Wellenlänge entscheidet, welches Chromophor angesprochen wird und wie tief das Licht kommt. Grob gilt: je länger die Welle, desto tiefer die Eindringtiefe.
| Zielstruktur | Typische Geräte |
|---|---|
| Melanin, Haarwurzel | Alexandritlaser, Diodenlaser, Nd:YAG |
| Hämoglobin, Gefäße | Farbstofflaser, KTP-Laser |
| Wasser, Gewebeabtrag | CO₂-Laser, Erbium:YAG |
Deshalb ist die Frage „welcher Laser ist der beste” falsch gestellt. Ein Gerät für Äderchen kann keine Haare entfernen, und umgekehrt.
Größe zwei: die Pulsdauer
Die Zielstruktur soll heiß werden — ihre Umgebung nicht. Ob das gelingt, hängt davon ab, wie lange der Puls dauert, verglichen mit der Zeit, die die Zielstruktur braucht, um ihre Wärme abzugeben. Diese Zeit heißt thermische Relaxationszeit.
Ist der Puls kürzer, bleibt die Wärme im Ziel. Ist er länger, läuft sie ins Umfeld — und dort entstehen die Nebenwirkungen. Ein Q-switched Laser arbeitet deshalb im Nanosekundenbereich: Tätowierungspigment ist winzig und kühlt entsprechend schnell ab.
Größe drei: die Energiedichte
Wie viel Energie pro Fläche ankommt. Zusammen mit der Spotgröße bestimmt sie, ob die Behandlung wirkt, nichts tut oder verbrennt. Bei dunkleren Hauttypen ist der Spielraum enger, weil das Melanin in der Oberhaut mit dem eigentlichen Ziel um das Licht konkurriert — der Fitzpatrick-Hauttyp gehört deshalb in jede Behandlungsplanung.
Genau deshalb steht in der Leitlinie die Probelaserung: eine kleine Testfläche vor der eigentlichen Sitzung.
Und wer darf das?
Das ist in Deutschland keine Stilfrage. Die NiSV regelt, welche Anwendungen nichtionisierender Strahlung an medizinisches Personal gebunden sind — Details unter Arztvorbehalt nach NiSV und ausführlich in Wer darf lasern.
Die zweite Frage, die vor jeder Sitzung geklärt sein sollte: Ist überhaupt sicher, was da behandelt wird? Ein pigmentierter Fleck, der weggelasert wird, ist danach nicht mehr feingeweblich untersuchbar. Warum das ein echtes Problem ist, steht in Flachexzision statt Laser.
Was Sie daraus mitnehmen
Drei Fragen, die im Beratungsgespräch mehr bringen als jeder Gerätename:
- Welche Wellenlänge, und warum diese?
- Wie wird die Pulsdauer für mein Ziel gewählt?
- Gibt es vorher eine Probelaserung?
Wer darauf keine Antwort bekommt, hat die wichtigste Information des Termins bereits erhalten.