- Beleglage:Zulassungsstand
- Status:In der EU nicht zugelassen
Aus den USA
Leqselvi: der JAK-Inhibitor gegen Haarausfall, den es hier nicht gibt
Deuruxolitinib ist in den USA seit 2024 zugelassen und schnitt in der Leitlinie bei schwerem Befall gut ab. In Europa fehlt er — und ein Gentest ist vor der Behandlung Pflicht.
Quellenlage geprüft am 24. August 2026.
Wer sich in amerikanischen Foren über Alopecia areata informiert, stößt auf einen dritten Namen neben Baricitinib und Ritlecitinib: Leqselvi, Wirkstoff Deuruxolitinib. Hier steht er nicht zur Verfügung — und der Grund dafür ist nicht, dass er schlechter wäre.
Der Zulassungsstand
Die Zulassungsdatenbank der FDA weist den Wirkstoff als NDA 217900 aus, Inhaber Sun Pharmaceutical Industries. Die Erstzulassung datiert auf den 25. Juli 2024. Die amerikanische Fachinformation formuliert das Anwendungsgebiet knapp:
LEQSELVI is indicated for the treatment of adult patients with severe alopecia areata.
Empfohlene Dosierung: 8 mg zweimal täglich.
In Europa fehlt eine Entsprechung. Die deutsche S3-Leitlinie nennt als EU-weit zugelassene JAK-Inhibitoren für die Alopecia areata ausschließlich Baricitinib und Ritlecitinib. Eine EPAR-Seite der Europäischen Arzneimittel-Agentur für Leqselvi existiert nicht (geprüft am 24.08.2026), während die Seiten für die beiden anderen Präparate vorhanden sind.
Was die Daten hergeben
Die deutsche Leitlinie hat Deuruxolitinib in ihre Evidenzauswertung einbezogen, obwohl er hier nicht verfügbar ist. Der Befund:
Deuruxolitinib 12 mg 2 × täglich zeigte eine bessere Wirkung bei AA-Patientinnen und Patienten mit einem SALT-Score über 50.
In einer Metaanalyse lag Deuruxolitinib 12 mg beim Endpunkt SALT 50 mit einer Risikodifferenz von 42 Prozent nahe an Baricitinib 4 mg (35–49 gegenüber Baricitinib) und beim Endpunkt SALT 75 bei 34 Prozent gegenüber 31 Prozent für Baricitinib.
Zur Einordnung der Dosisangaben: Die Leitlinie nennt 12 mg zweimal täglich — das ist die in den Studien verwendete Menge des Phosphatsalzes. Die amerikanische Fachinformation gibt 8 mg zweimal täglich an und bezieht sich dabei auf die Base. Beide Angaben stehen so in den jeweiligen Dokumenten; wir geben sie unverändert wieder, statt sie umzurechnen.
Die Besonderheit: ein Gentest vor der Behandlung
Das ist der Punkt, der Leqselvi von den beiden hier zugelassenen Wirkstoffen unterscheidet — und der in Erfahrungsberichten regelmäßig fehlt. Die amerikanische Fachinformation verlangt vor Therapiebeginn:
CYP2C9 genotype determination: Test patients for CYP2C9 variants to determine CYP2C9 genotype. LEQSELVI is contraindicated in patients who are CYP2C9 poor metabolizers.
Wer den Wirkstoff über das Enzym CYP2C9 nur langsam abbaut, darf ihn also nicht erhalten. Das ist keine Vorsichtsempfehlung, sondern eine Kontraindikation — und sie setzt eine genetische Untersuchung voraus, die bei Baricitinib und Ritlecitinib nicht vorgesehen ist.
Die Fachinformation nennt außerdem eine Einschränkung zur Kombination: nicht empfohlen zusammen mit anderen JAK-Inhibitoren, biologischen Immunmodulatoren, Ciclosporin oder anderen starken Immunsuppressiva.
Was daraus folgt
Für Betroffene in Deutschland ändert der Wirkstoff vorerst nichts. Die Leitlinienempfehlung lässt sich mit den beiden hier zugelassenen Präparaten umsetzen — siehe JAK-Inhibitoren gegen kreisrunden Haarausfall.
Interessant ist der Fall aus einem anderen Grund: Er zeigt, dass der Zeitversatz zwischen den Märkten in beide Richtungen wirkt. Bei Clascoteron lag er bei fünf Jahren. Wie sich die vier Begriffe unterscheiden, mit denen dabei operiert wird, steht in Warum in den USA vieles erlaubt ist.