Lexikon · Klinik
Sekundäre Wundheilung
Die Wunde wird offen gelassen und heilt aus der Tiefe. Bei Hidradenitis suppurativa mit deutlich niedrigerer Rezidivrate als der Direktverschluss.
Auch: offene Wundbehandlung · SIH
Die Empfehlung
S2k-Leitlinie, ⇑ (mehrheitliche Zustimmung):
Nach kompletter operativer Exzision des irreversiblen Gewebeschadens sollte eine sekundäre Wundheilung empfohlen werden.
Die Zahl, die dahintersteht
Die Leitlinie stellt die Rezidivraten gegenüber:
| Wundversorgung | Rezidivrate |
|---|---|
| Primärverschluss | 39–70 % |
| Sekundäre Wundheilung | 12–24 % |
Wörtlich: „Die relative Komplikationsrate des Primärverschlusses […] ist im Vergleich zur SIH […] jedoch größer.”
Warum der schnellere Weg der schlechtere ist
Ein direkter Verschluss schließt die Wunde in einer Sitzung. Er schließt aber auch Gewebe ein, das entzündet bleiben kann — und über der Naht ist nicht mehr zu sehen, was darunter passiert.
Die offene Heilung dauert Wochen, ist aufwendig in der Pflege und für Betroffene unangenehm. Sie halbiert bis drittelt dafür das Risiko, dass alles von vorn beginnt.
Wann etwas anderes gilt
Die Leitlinie nennt zwei Ausnahmen mit eigener Empfehlung: den Primärverschluss bei lokaler Exzision einzelner Knoten und Abszesse bei Hurley-Grad II (⇑, Konsens) und die Spalthauttransplantation nach adäquater Wundkonditionierung (⇑, Konsens).