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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer

Lexikon · Wirkstoffe

Systemische Kortikosteroide bei Alopecia areata

Wirken schnell, aber nicht dauerhaft. Die Leitlinie empfiehlt die gepulste Gabe — und bei Kindern liegt die Rückfallquote bei 63 Prozent.

Auch: Kortison-Pulstherapie · Orale Mini-Puls-Therapie

Die Grundregel

Wenn eine systemische Kortikosteroidtherapie zur Behandlung der AA angeboten wird, sollte diese als gepulste und in aller Regel nicht als kontinuierliche Gabe im Off-Label-use erfolgen.

Starker Konsens, evidenzbasiert, Evidenzlevel 1. Die Betonung liegt auf zwei Wörtern: gepulst — und off label. Für die Alopecia areata gibt es kein zugelassenes systemisches Kortikosteroid.

Wer, und wer nicht

GruppeEmpfehlung
Kinder und Jugendliche, mild oder moderatsollten nicht angeboten werden
Erwachsene, mildsollten nicht angeboten werden
Erwachsene, moderatkönnen angeboten werden (off label)
Erwachsene, schwer / sehr schwersollten angeboten werden (off label)
Kinder und Jugendliche, schwer / sehr schwerkönnen angeboten werden (off label)

Alle fünf Empfehlungen im starken Konsens, alle evidenzbasiert.

Das Kernproblem: schnell, aber nicht nachhaltig

Die Leitlinie ist an dieser Stelle ungewöhnlich direkt:

Die systemischen Glukokortikosteroide zeigen zwar ein schnelles Ansprechen (nach sechs Wochen), haben aber keine langfristige Remission zur Folge.

Die Rückfallquoten:

Gruppe und PräparatRückfall
Erwachsene, Prednisolon und Dexamethason25–36 % innerhalb von drei Monaten
Erwachsene, Methylprednisolon38 % innerhalb von ein bis vier Jahren
Kinder63 %

Die Leitlinie merkt zu den 63 Prozent ausdrücklich an, dass dies die höchste Rückfallquote eines therapeutischen Regimes im Vergleich zu allen anderen Therapien ist.

Auch die Wirksamkeitsevidenz ist schwächer, als der klinische Alltag vermuten lässt: Der Cochrane-Review von 2023 zeigte beim Vergleich oraler Immunsuppressiva gegen Placebo zwar eine Überlegenheit für den Endpunkt Nachwachsen der Haare (SALT-Score über 75), aber statistisch nicht signifikant — RR 4,68 (95-%-KI 0,57–38,27). Das Konfidenzintervall spricht für sich.

Gegenüber anderen Einzeltherapien schneiden systemische Glukokortikosteroide dagegen besser ab: Sie zeigten eine Überlegenheit gegenüber Methotrexat oder DCP als Monotherapie, und für die Kombination mit Methotrexat ergab sich bei der Ansprechrate ein Vorteil.

Beschriebene Schemata

Die Leitlinie listet die in der Literatur beschriebenen Dosierungen. Das ist keine Therapieanleitung, sondern eine Orientierung darüber, wie unterschiedlich vorgegangen wird — die Auswahl trifft die behandelnde Ärztin.

Erwachsene:

  • orales Prednisolon, Anfangsdosis 0,4 bis 0,6 mg/kg/Tag mit ausschleichender Reduktion über mehr als zwölf Wochen (Empfehlung einer internationalen Expertengruppe)
  • orales Prednisolon 300 mg einmal wöchentlich über drei Monate
  • orales Prednisolon 80 mg an drei aufeinanderfolgenden Tagen, alle drei Monate, über zwölf Monate
  • in Kombination mit Methotrexat: Prednisolon 20 mg/Tag für drei Monate, danach 15 mg/Tag für weitere drei Monate
  • intravenöses Methylprednisolon 500 mg an drei Tagen monatlich über sechs Monate, oder 15 mg/kg an zwei bis drei Tagen alle zwei Wochen über sechs Monate
  • orale Betamethason-Pulstherapie, 1 mg dreimal täglich an einem Tag pro Woche über sechs Monate

Jugendliche und Kinder ab sieben Jahren: orales Prednisolon 0,4 bis 0,6 mg/kg/Tag mit ausschleichender Reduktion über zwölf Wochen; alternativ eine Prednisolon-Pulsgabe oder intravenöse Methylprednisolon-Pulsgaben.

Für Kinder unter sieben Jahren liegen nach der Leitlinie keine eindeutigen Daten vor.

Einordnung

Systemische Kortikosteroide sind die klassische Antwort auf den akuten Schub — sie wirken schnell und sind überall verfügbar. Was sie nicht leisten, ist die dauerhafte Kontrolle einer chronischen Erkrankung. Genau dafür führt dieselbe Leitlinie für Erwachsene mit schwerer und sehr schwerer AA eine eigene Empfehlung: die JAK-Inhibitoren.