Lexikon · Recht und Zulassung
Verhaltensprävention
Prävention über die Anleitung zur Verhaltensänderung — im Gegensatz zur Anpassung der Verhältnisse. Wirksam, aber die schwächere der beiden Hebel.
Auch: Individualprävention
Die Definition
Die S1-Leitlinie Kontaktekzem unterscheidet:
Verhaltensprävention (Anleitung zur Verhaltensänderung) [und] Verhältnisprävention (Anpassung der Lebens- und Arbeitsbedingungen).
Und, quer dazu, nach Adressaten: Individualprävention (Einzelperson) gegenüber Generalprävention (Berufsgruppe, Bevölkerung).
Warum beides gebraucht wird
Verhaltensprävention ist der einzige Hebel, der auch dort greift, wo niemand sonst zuständig ist — im eigenen Bad, in der eigenen Küche, bei der eigenen Rasur. Kein Gesetz regelt, wie heiß jemand duscht.
Ihre Schwäche ist die Dauer. Jede Verhaltensänderung muss täglich neu entschieden werden, und die Rückfallquote ist hoch. Deshalb steht sie in der Maßnahmenhierarchie auf der vierten und letzten Stufe.
Was wirksame Verhaltensprävention ausmacht
Die S3-Leitlinie zur Hautkrebsprävention hat dafür Kriterien formuliert, die übertragbar sind:
- Interventionen sollen die Zielpersonen einzeln ansprechen und individualisierte Informationen sowie Feedbackelemente enthalten.
- Sie sollen aus mehreren Komponenten bestehen, intensiv und auf Wiederholung angelegt sein.
- Sie sollten auf Verhaltenstheorien basieren und die vorliegende Evidenz berücksichtigen.
Einmalige Aufklärung erfüllt keinen dieser Punkte.
Der Bezug zum Handekzem
Die S2k-Leitlinie Handekzem empfiehlt mit starker Empfehlung (↑↑):
Zur Reduktion der HE-Inzidenz in Risikoberufen soll so früh wie möglich eine Schulung zu geeignetem Hautschutz erfolgen, am besten bereits während der Berufsausbildung und regelmäßig während der Berufsausübung.
„So früh wie möglich” und „regelmäßig” sind die beiden Antworten auf die Schwäche der Verhaltensprävention.