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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer

Lexikon · Klinik

Komorbiditäten bei Alopecia areata

Die Leitlinie hebt psychosoziale Begleiterkrankungen eigens hervor — weil sie in den bisherigen diagnostischen Empfehlungen fehlten.

Auch: Begleiterkrankungen der AA

Die Empfehlung, die neu ist

In der Diagnostik sollte auf psychosoziale Komorbiditäten, vor allem Angst (soziale Angst) und Depression sowie Stigmatisierung geachtet werden.

Starker Konsens. Die Leitlinie begründet, warum sie diesen Punkt eigens herausgegriffen hat: Die psychosozialen Begleiterkrankungen seien aus Patientensicht besonders bedeutsam und mit einer besonders hohen individuellen Belastung verbunden — und sie waren bisher in den diagnostischen Empfehlungen noch nicht enthalten. Die übrigen Komorbiditäten waren es bereits.

Für Männer ist das der Punkt, an dem es praktisch wird: Soziale Angst und Stigmatisierung werden im Arztgespräch eher selten von selbst angesprochen. Die Empfehlung verschiebt die Verantwortung dafür auf die Diagnostik.

Die Zahlen

Aus einer Metaanalyse von Fall-Kontroll- und Querschnittstudien mit 87 eingeschlossenen Arbeiten. Die Prävalenzen beziehen sich auf AA-Erkrankte und stützen sich auf mindestens eine Studie mit gesunder Vergleichsgruppe.

Auf mehreren Studien mit insgesamt hohen Fallzahlen beruhend:

KomorbiditätHäufigkeit
Vitamin-D-Mangel65,4 % (95-%-KI 50,6–77,8)
Helicobacter-pylori-Infektion62,8 % (95-%-KI 46,2–76,9)
psychiatrische Erkrankungen49,2 % (95-%-KI 17,8–81,5)
Angst27,1 % (95-%-KI 17,7–39,2)
atopische Erkrankungen20,6 % (95-%-KI 16,2–25,9)
Depression18,9 % (95-%-KI 10,9–30,8)
allergische Rhinitis17,7 % (95-%-KI 14,1–21,9)
atopische Dermatitis9,6 % (95-%-KI 6,2–14,4)
Schilddrüsenerkrankungen8,0 % (95-%-KI 5,9–10,7)

Auf sehr kleinen Fallzahlen aus wenigen Studien beruhend — die Leitlinie kennzeichnet das eigens:

KomorbiditätHäufigkeit
Hyperinsulinämie60,8 % (95-%-KI 46,9–73,1)
Alexithymie52,9 % (95-%-KI 37,1–68,2)
metabolisches Syndrom37,3 % (95-%-KI 25,2–51,2)
Linsenveränderungen32,1 % (95-%-KI 18,7–57,8)
retinale Veränderungen24,0 % (95-%-KI 13,8–38,5)
audiologische Veränderungen17,3 % (95-%-KI 0,5–89,4)

Bei der letzten Zeile lohnt der Blick auf das Konfidenzintervall: von 0,5 bis 89,4 Prozent. Das ist keine Aussage, das ist die Abwesenheit einer Aussage in Zahlenform. Genau deshalb ist die Trennung der beiden Tabellen wichtig.

Deutsche Kassendaten

Eine Auswertung einer repräsentativen 40-Prozent-Stichprobe aller Erwachsenen einer gesetzlichen Krankenkasse (n = 2,88 Millionen, 2016 bis 2020) bestätigt das Bild. Die relativen Risiken, jeweils bei einer Prävalenz unter drei Prozent in der Gesamtbevölkerung:

  • atopische Dermatitis: RR 2,9 (95-%-KI 2,7–3,2)
  • Pruritus: RR 2,7 (95-%-KI 2,4–3,1)
  • Lupus erythematodes: RR 2,4 (95-%-KI 1,7–3,0)
  • Urtikaria: RR 2,3 (95-%-KI 1,9–2,7)

Was daraus nicht folgt

Ein häufiges Missverständnis: Dass eine Begleiterkrankung häufiger vorkommt, heißt nicht, dass ihre Behandlung die Alopecia areata beeinflusst. Die Leitlinie führt Vitamin-D-Mangel mit 65 Prozent als häufigste Komorbidität — und listet Eisenmangel unter den Faktoren ohne prognostische Bedeutung für das Therapieansprechen. Zu Vitamin D als prognostischem Faktor fand sie überhaupt keine Studie, die ihren Einschlusskriterien genügte.

Häufigkeit ist nicht Kausalität, und Kausalität ist nicht Therapierbarkeit. Mehr dazu unter Prognosefaktoren bei Alopecia areata.