Lexikon · Recht und Zulassung
Hazard Ratio
Ein Verhältnismaß für Ereignisse über die Zeit — etwa Überleben. Der Standard in onkologischen Studien.
Auch: HR · Risikoverhältnis über die Zeit
Was sie misst
Anders als das relative Risiko, das zwei Anteile am Ende vergleicht, berücksichtigt die Hazard Ratio den Zeitverlauf: das Verhältnis der Ereignisraten zu jedem Zeitpunkt.
Deshalb ist sie das Standardmaß, wenn es um Überleben oder rezidivfreie Zeit geht.
- HR = 1 — kein Unterschied
- HR < 1 — günstiger
- HR > 1 — ungünstiger
Das Beispiel
Die S3-Leitlinie zum Plattenepithelkarzinom zitiert eine Analyse zum Gesamtüberleben:
| Faktor | HR | 95-%-KI | p |
|---|---|---|---|
| Einsatz der Strahlentherapie | 0,47 | 0,34–0,65 | < 0,00001 |
| Perineuralscheideninfiltration | 1,61 | 1,24–2,09 | 0,0004 |
| Positive Schnittränder | 2,34 | 0,34–0,65 | 0,0008 |
| Immunsuppression | 3,02 | 2,14–4,25 | < 0,00001 |
Gelesen: Die Strahlentherapie war mit einem deutlich günstigeren Verlauf verbunden, die Immunsuppression mit dem ungünstigsten der genannten Faktoren.
Der wichtigste Vorbehalt
„Verbunden mit” ist nicht „verursacht”. Diese Zahlen stammen aus Beobachtungsdaten. Wer eine Strahlentherapie bekam, unterschied sich möglicherweise systematisch von denen, die keine bekamen.
Eine Hazard Ratio aus einer randomisierten Studie und eine aus einer Kohorte sind formal dasselbe Maß — und inhaltlich zwei verschiedene Aussagen.
Und die Konfidenzintervalle mitlesen
In der Tabelle oben fällt auf, dass für zwei Faktoren dasselbe Intervall angegeben ist. Solche Auffälligkeiten sind ein Grund, in die Originalarbeit zu sehen, statt eine Zahl weiterzureichen.