Lexikon · Recht und Zulassung
De-novo-Recherche und Leitlinienadaptation
Zwei Wege, wie eine Leitlinie zu ihrer Evidenz kommt: selbst suchen oder eine bestehende Leitlinie übernehmen. Beides wird ausgewiesen.
Auch: Leitlinienadaptation
Die zwei Wege
De-novo-Recherche — die Leitliniengruppe hat die Literatur zu dieser Frage selbst systematisch durchsucht und bewertet.
Leitlinienadaptation — die Aussage wurde aus einer bestehenden, meist ausländischen Leitlinie übernommen, nachdem deren Qualität geprüft wurde.
Beides steht in der Empfehlung, direkt neben dem Level of Evidence.
Beispiele
Die S3-Leitlinie Melanom kennzeichnet die Empfehlung zur sequenziellen digitalen Dermatoskopie mit „Leitlinienadaptation” und verweist auf die australische Leitlinie. Die Empfehlung zur konfokalen Lasermikroskopie dagegen mit „De-novo-Recherche”.
Die S3-Leitlinie zur Prävention von Hautkrebs verweist bei der Dermatoskopie ebenfalls auf eine Leitlinienadaptation, hier auf die Australian Cancer Network Melanoma Guidelines.
Warum die Unterscheidung zählt
Weil eine adaptierte Empfehlung die Annahmen der Ursprungsleitlinie mitbringt — darunter die Epidemiologie, die Versorgungsstruktur und die Zulassungssituation des Ursprungslandes.
Australien hat die höchste Melanominzidenz der Welt und eine entsprechend ausgebaute Früherkennung. Eine dort begründete Empfehlung ist nicht falsch, wenn sie nach Deutschland übernommen wird — aber der Nutzen einer Maßnahme hängt von der Häufigkeit der Erkrankung ab, und die ist hier eine andere.
Was man daraus für die Praxis mitnimmt
Wenn eine Empfehlung mit Leitlinienadaptation gekennzeichnet ist, lohnt der Blick auf die Quelle. Das ist kein Misstrauen — es ist die Information, die die Leitlinie selbst zur Verfügung stellt, damit man sie einordnen kann.