- Beleglage:Leitlinie
- Status:In Deutschland zugelassen
Analyse
Handekzem im Handwerk: Was die Leitlinie tatsächlich verlangt
Rissige Hände gelten in vielen Berufen als normal. Die S2k-Leitlinie sieht das anders — und stellt die Vermeidung vor jede Salbe.
Quellenlage geprüft am 23. August 2026.
In Bau, Küche, Pflege, Friseurhandwerk und Kfz-Werkstatt gilt raue Haut als Berufsmerkmal. Die S2k-Leitlinie Handekzem behandelt sie als Erkrankung mit Klassifikation, Diagnostik und Therapiealgorithmus.
Was zuerst kommt
Starke Empfehlung (↑↑, 100 % Zustimmung):
Ursächliche exogene Faktoren sollen identifiziert und vermieden werden.
Diese Empfehlung steht vor allen Therapieempfehlungen — und sie ist der Grund, warum eine Salbe allein selten reicht. Wer die Belastung unverändert lässt, behandelt gegen eine laufende Ursache an.
Der Fehler, den die Leitlinie ausschließt
Das irritative Kontaktekzem ist eine Ausschlussdiagnose; sie setzt voraus, dass andere Ätiologien, insbesondere ein allergisches Kontaktekzem, ausgeschlossen [wurden].
„Das ist nur die Belastung” ist damit erst dann eine Diagnose, wenn getestet wurde. Vorher ist es eine Vermutung — und wenn sie falsch ist, wird das Allergen weiter täglich angefasst.
Was vor dem Test kommt
Starke Empfehlung (↑↑):
Es soll vor der Durchführung von Epikutan- und Pricktestungen eine Expositionsabschätzung unter Verwendung aller verfügbaren Quellen wie Inhaltsstofflisten und Sicherheitsdatenblätter vorgenommen werden.
Praktisch heißt das: Sicherheitsdatenblätter beim Arbeitgeber anfordern und zum Termin mitbringen. Der Epikutantest findet nur, wonach gesucht wird.
Die Therapie, nach Stufen
Basis (↑↑, 100 %): „Die regelmäßige Anwendung von Basistherapeutika (Hautpflegemitteln) soll bei allen HE-Patient*innen erfolgen.”
Erstlinie (↑↑, 100 %): topische Glukokortikoide, kurzzeitig — leichtes Handekzem bevorzugt Klasse II, moderates Klasse II–III, schweres bis sehr schweres Klasse III, kurzfristig auch Klasse IV. Bevorzugt Präparate mit geringem atrophogenem Potenzial.
Bei Therapieresistenz (↑, 100 %): Phototherapie der Hände — topische PUVA, Schmalband-UVB oder UVA1.
Option (0, 100 %): Tacrolimus-Salbe 0,1 % für die Kurzzeittherapie.
Der Punkt, an den kaum jemand denkt
Ein allergisches Kontaktekzem, das durch ein topisches Glukokortikosteroid oder dessen Vehikel verursacht wird, sollte in Betracht gezogen werden, wenn ein HE nicht auf eine topische Behandlung anspricht oder diese ggf. sogar zu einer Verschlechterung führt.
Wird es unter der Salbe schlechter, ist die Antwort nicht eine stärkere Salbe.
Was die Leitlinie zur Prävention sagt
Starke Empfehlung (↑↑):
Zur Reduktion der HE-Inzidenz in Risikoberufen soll so früh wie möglich eine Schulung zu geeignetem Hautschutz erfolgen, am besten bereits während der Berufsausbildung und regelmäßig während der Berufsausübung.
Und die S1-Leitlinie Kontaktekzem ordnet die Maßnahmen in eine Rangfolge: Substitution, Technik, Organisation — und erst an vierter Stelle personenbezogene Maßnahmen.
Das ist der Punkt, an dem die Verantwortung nicht beim Einzelnen liegt. Handschuhe und Hautschutzpläne sind die letzte Stufe, nicht die erste.
Was der verbreitete 10-Prozent-Harnstoff wert ist
Die Leitlinie ist an dieser Stelle ungewöhnlich offen: Beim hyperkeratotischen Handekzem würden gewöhnlich Hautpflegemittel mit 10 % Harnstoff oder andere Keratolytika verwendet, „aber es gibt keine wissenschaftlichen Belege, die eine derartige Empfehlung unterstützen”.
Belegt ist die regelmäßige Basispflege. Nicht die Prozentzahl.