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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer
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Einordnung

Hautkrebsscreening: Warum eine Fachgesellschaft widerspricht

In der eigenen Leitlinie steht ein Sondervotum gegen das anlasslose Screening. Was das für Ihre Entscheidung bedeutet.

Von der GLABRIO-Redaktion2 Min. Lesezeit

Quellenlage geprüft am 23. August 2026.

Es kommt selten vor, dass eine Leitlinie ihren eigenen Dissens abdruckt. Bei der S3-Leitlinie zur Prävention von Hautkrebs ist das der Fall — und es lohnt sich, das zu lesen.

Was in der Leitlinie steht

Die Leitlinie empfiehlt die standardisierte Ganzkörperinspektion der Haut durch entsprechend qualifizierte Ärztinnen und Ärzte.

Direkt daneben steht das Sondervotum der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM). Sinngemäß:

Die DEGAM bewertet die Evidenz für den Nutzen eines generellen Hautkrebs-Screenings im Vergleich zu einem opportunistischen Screening — in Übereinstimmung mit internationalen Institutionen — weiterhin als unzureichend. Seit der Einführung des Hautkrebsscreenings ist die Mortalität am Hautkrebs in Deutschland nicht gesunken. Daher soll kein anlassloses Hautkrebsscreening angeboten werden. Im Einzelfall kann eine Früherkennung nach ausgewogener Aufklärung über Vor- und Nachteile durchgeführt werden, insbesondere bei Menschen mit erhöhtem Risiko.

Wie man einen solchen Dissens liest

Ein Sondervotum ist kein Fußnotenstreit. Es dokumentiert, dass eine beteiligte Fachgesellschaft eine Empfehlung nicht mitträgt — und es steht im Dokument, damit man es zur Kenntnis nehmen kann.

Die Kernfrage dahinter ist bei jeder Früherkennung dieselbe: Findet man mehr gefährliche Tumoren früh genug — oder findet man vor allem mehr harmlose Befunde, die dann behandelt werden, ohne dass jemand daran gestorben wäre?

Was daraus für Sie folgt

Nicht „nicht hingehen”. Sondern: Der Nutzen ist dort am besten begründet, wo das Risiko erhöht ist.

Die Leitlinie nennt als wichtige erworbene Risikofaktoren für das Melanom (Konsensstärke 100 Prozent):

  • Melanom in der Vorgeschichte
  • Melanom in der Familienanamnese
  • Anzahl erworbener Nävi
  • klinisch atypische Nävi

Dazu kommen heller Hauttyp, schwere Sonnenbrände in Kindheit und Jugend, Immunsuppression und — für den hellen Hautkrebs — eine hohe kumulative UV-Dosis, etwa durch Außenberuf.

Wer mehrere dieser Punkte erfüllt, hat den klarsten Grund. Wer keinen erfüllt, trifft eine Abwägung — und darf erwarten, dass die Praxis Vor- und Nachteile benennt, statt nur einen Termin zu vergeben.

Ein Hinweis zur Untersuchung selbst

Fragen Sie, ob dermatoskopiert wird. Die S3-Leitlinie zur aktinischen Keratose nennt für die Dermatoskopie eine Sensitivität von 98,7 Prozent im Vergleich zur Histologie und beschreibt sie als geeignet, Lentigo maligna von harmlosen Altersflecken zu unterscheiden.

Eine Ganzkörperinspektion mit bloßem Auge ist etwas anderes als eine mit Auflichtmikroskop.

Quellen

  1. S3-Leitlinie Prävention von Hautkrebs, AWMF-Register-Nr. 032/052OLLeitlinie · Version 2.1, September 2021 · register.awmf.org

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